DER BLANKE HORROR: IN-DOOR SPIELPLÄTZE

Der schmale Grat zwischen Paradies und Hölle

Ihr „Hamburger“ kennt das: Es ist Samstagmorgen und ihr wollt etwas Tolles mit euren Kids unternehmen. Es gießt in Strömen, also fallen Garten, Park und Spielplatz flach. Im Schwimmbad waren wir letztes Wochenende, was bleibt also: Indoor-Spiele-„Paradies“.

Luna ist Feuer und Flamme. Sie liebt es, zu klettern, zu hüpfen, zu rutschen und immer wieder neue Sachen auszuprobieren. Da bei uns zu Hause ganz klar ist, wer der Chef ist (aber das ist ein anderes Thema), entscheidet Luna also, dass wir nun schnell losmüssen.

Beim Indoorspielplatz angekommen (wir sind zum Glück recht früh), ist Luna auch schon voll in ihrem Element. Kletterturm hoch, Rutsche runter und umgekehrt. Ich komme kaum hinterher und lasse mich von dem fröhlichen Gequietsche von Luna motivieren. Alles muss ausprobiert werden. So gehört sich das. Gegen Vormittag wird es voller, der Geräuschpegel steigt, die Rücksichtslosigkeit nimmt zu. „Spiele-PARADIES“ denke ich mir… zumindest Luna scheint das nicht zu stören.

Es wird immer voller und lauter, auf den Klettergerüsten wird geschubst, es gibt viele Tränen, das ist wohl aber nicht weiter schlimm. Der Kaffee scheint gut zu sein. Viele Eltern lassen sich davon nämlich überhaupt nicht abbringen…

Auch Luna wird es langsam etwas unheimlich, sie klettert nur noch an der Hand, rutscht nur noch auf meinem Schoß – nach Hause möchte sie dennoch (noch) nicht. Einmal noch aufs Trampolin, das ist der Deal. Ein großes Schild: „Ein Kind pro Trampolin, max 50kg, alle zwei Minuten wechseln, Eltern haben die Aufsichtspflicht“ erklärt die Regeln. Durchaus machbar…EIGENTLICH.

17 Kinder auf drei Trampolinen, drei Erwachsene, die sich das „Spektakel“ ansehen, bzw. eher wie Besitzer von häufchenmachenden Hunden gerade „zufällig“ wegsehen. Ich erlaube mir den törichten Hinweis, dass das erstens. nicht so gedacht sei und zweitens ganz schön gefährlich ist. Keine Reaktion (Im Nachhinein betrachtet, hätte es durchaus schlimmer kommen können, denn ich wurde ja immerhin nicht direkt beleidigt… noch nicht).

Luna und ich setzen uns also hin und warten, auf das Trampolin, das mit zwei Kindern (und 100kg) wohl gleichzeitig am wenigsten und meisten ausgelastet ist. Nach 5 Minuten wird Luna langsam ungeduldig. Kurz danach erlaube ich mir zu fragen, ob die Kleine auch einmal kurz springen darf. „Nee“. Achso. Das Argument, 2 Minuten seien um, wurde gerechtfertigter Weise mit „Halt´s Maul, mir egal, die ist eh zu klein“ gekontert. Klasse! Zum Glück haben wir in Deutschland politisches Nachwuchstalent.

Auf den anderen Trampolinen spielt sich ähnliches ab. Aber eine andere Mutter schafft es tatsächlich, dass ihre kleine Tochter kurz ALLEINE auf einem Trampolin springen kann. Danach darf Luna, die freudig strahlend über die Matte hüpft, bis die Matte wieder von einem anderen Kind gestürmt wird. Ob er kurz warten könne, bis er an der Reihe ist. Keine Reaktion, bei einem etwas energischeren Ton, kommt dann der Vater, ich solle sein Kind in Ruhe lassen, wenn ich keine „auf´s Maul“ will. Achso. Is klar. Bildungsdeutschland.

Und hier haben wir nun das Dilemma, ich möchte meiner Tochter ein Vorbild sein, Werte, wie Anstand und Gerechtigkeit vermitteln, aber wie soll man das in einem solchen Fall anstellen? Wie erkläre ich meiner Tochter, dass sie immer nett zu allen Kindern sein soll, egal wie arschig diese sind? Mir tut es für Luna leid, aber wir gehen jetzt lieber nach Hause. Viel mehr tut es mir aber für die anderen Kinder leid, die von ihren Eltern anscheinend nie etwas von Anstand und Gerechtigkeit gehört haben. Wie soll ein Kind lernen, sich sozial zu verhalten, wenn die Eltern es nicht vorleben?

Das war nicht unser erster Besuch in der Spiel-Hölle und ich wollte diesen Artikel schon sehr oft schreiben, bis jetzt habe ich es vermieden, über die Abgründe unserer Gesellschaft zu schreiben, aber es ist leider echt erschreckend.

Ich könnte viele weitere Beispiele nennen, aber das ist weder zielführend noch wichtig. Wichtig ist die Botschaft, dass wir unseren Kindern Vorbilder sein müssen. Das gilt mit Sicherheit nicht nur für das Spiele-Paradies, dieses soziale Dilemma zeigt sich immer häufiger in unserer Gesellschaft.

Daran kann ich zwar nichts ändern, aber ich kann immerhin für Luna ein Vobild sein und da sie den Indoorspielplatz liebt, muss ihr Papa nun wohl ein eigenes Spiele-Paradies bei uns im Keller bauen. Die ersten Matten dafür sind bereits bestellt, Bällebad haben wir schon lange. Für weitere Tipps und Ideen bin ich sehr dankbar!

Eure (genervte) Nina ❤

12 Kommentare

  1. Danke, dem ist nichts hinzuzufügen!
    Es ist absolut erschreckend. Im Krabbelgruppen-Alter wird das komplette Programm gefahren. Mütter profilieren sich mit „Wir lernen die Baby-Gebärden-Sprache…“, Krabbel-Training-Einheiten, usw. Sich vielleicht ein wenig Energie aufsparen für den sozialen Aspekt in der Erziehung. Ider für sich als Vorbild selbst.
    Mir ist neulich eine Frau fast in den Kinderwagen gedonnert mit ihrem Auto. 20 Meter weiter war ja schließlich ein Parkplatz! Auf der Rückbank? Ein Kleinkind. Das macht schon sprachlos.

  2. Ulrike Grauwelman

    Hallo Nina
    Sehr interessanter Artikel und super geschrieben. Es gibt Leute, die sollten nochmal so ein Erziehungskurs machen. Furchtbar.

    Wir kommen aus Stade und wollen mit meinem fast 3 Jährigen Enkel auch in diese Indoor Spielplätze. Würdest du mir verraten wo das war in HH?

    Wo wir bisher waren, war noch alles in Ordnung. Ich wünsche euch ein schönes WE.

    LG Ulrike

  3. Liebe Nina,

    ich musste schmunzeln, bzw. nein, eigentlich ist es eher zum Weinen. Auch wir hatten ähnliche Erfahrungen bzw. erleben immer wieder solche Eltern in den Indoor Dingern…unfassbar. Einmal stand ich (Geburtstagsfeier) mit MEHREREN kleineren Kids an so einer Art Autoscooter Ding in der Schlange. Da die Kleinsten sich sonst eben von den grossen Kids wegdrängeln lassen…zack, kommt ein grösserer Junge, springt auf ein Autochen, und der Vater hintendrauf. Und ich wies freundlich drauf hin, das wir bzw. die Kleinen vor ihm dran seien. Kommt nur, „tja, nun sitzen wir aber hier drauf…“. Und als mein Mann anfing zu motzen, schob der freundliche Vater sich betont lässig mit dem Mittelfinger seine Brille hoch…! Unfassbar…und dann muss man sich in unserer Gesellschaft leider nicht wundern über drängelnde Menschen an öffentlichen Verkehrsmitteln, unflätiges Benehmen, Beschimpfungen wie „ich hau dir aufs Maul“…traurig! Aber das lernen scheinbar viele Kids von ihren Eltern…

  4. Saskia

    Es ist einfach eine unverschämtheit…. warum können heut zu Tage keine kinder mehr miteinander spielen ohne das kraftausdrücke ins Spiel kommen warum kann man nicht regeln befolgen und seinen Kinder das auch bei bringt das es regeln gibt und diese auch zu befolgen sind…. ich finde du hast sehr gut reagiert und ziehe mein Hut….

    Mein Tipp für ein indoor zuhause Spielplatz: ein planschbäcken mit Bällen voll machen und eine rutsche rein … dann ein Trampolin mit Netz gibt’s auch für indoor und eine dporthalkenbank auf den Kopf drehen zum balancieren…. LG und weiter so….

  5. Christin

    Leider kommen mir deine Worte sehr bekannt vor. Ich habe Ähnliches erlebt beim Eltern-Kind-Turnen. Bewusstes wegsehen, Angst vor Konflikten mit dem eigenen Kind oder einfach nur Ignoranz. Innerlich für mich schwer auszuhalten, was werden diese Kinder für Erwachsene frage ich mich. Wenn ihre Eltern es ihnen nicht vorleben, wie sollen sie lernen eigene und andere Grenzen wahrzunehmen und zu achten?

  6. Christina Müller

    Huhu, ich hätte es besser nicht schreiben können. Auf den Punkt. Ähnliche Zenarieen spielen sich allerdings – gefühlt – überall ab, wo Mütter/ Väter mit Kindern sind… Ich frage mich dann auch immer und immer wieder, wer ist das „Problem“… Eltern oder Kind. Meist lässt sich diese Frage mit „der Kaffee schmeckt“ beantworten…
    Viele Grüße
    Christina

  7. Stefan

    Hallo Nina,
    ich kenne das leider zu gut. Manche Kinder und Eltern haben gar keine Erziehung und mann muss dann schon gut aufpassen das, dass eigene Kind nicht unter die Räder kommt.
    Für einen kleinen Indoor-Spielpark empfehle ich dir: https://www.quadroshop.de/ oder das voll kompatible aber auch etwas günstigere http://www.moveandstic.de/
    Damit kann man mit den Rutschen ständig umbauen wenn es den Kids langweilig wird. Als Unterlage eignet sich sehr gut sowas: https://www.tectake.de/86-tlg-spiel-puzzlematte-401859

    Viel Erfolg !
    Mir hat der umgebaute Keller schon manchen Schlechtwettertag gerettet.

    Gruß Stefan

  8. Ramona

    Wow, super gut geschrieben!!! Leider gibt es solche Situationen immer wieder !! Schade!
    Vielen Dank, dass du dich dann doch hingesetzt hast, um diesen Artikel zu schreiben.

  9. Das klingt ja prickelnd! Aber mal ehrlich … ‚immer nett sein‘? Ist das realistisch?
    Ein Trampolin wäre vielleicht noch nett, eine Kletterwand und eine Rutsche vielleicht? Und für dich ein Sandsack!

  10. Ich bin so froh, dass es hier in Finnland nicht etwas mehr Anstand und Rücksicht, vor allem kleineren Kindern gegenüber, in den Indoor-Spielplätzen gibt (außer in der Hauptstadt, da scheinen viele auch nur noch an sich zu denken)…
    Hört sich echt nicht schön an.

    • „Noch“ sollte da stehen und nicht „nicht“. Blöde Auto-Korrektur :/

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